Massive und innenbelüftete Bremsscheiben

[…] Grundlegend unterscheidet man hier zwischen massiven und innenbelüfteten Bremsscheiben.

Eine massive Bremsscheibe ist aus einem Guss und hat nur einen Reibring. Da massive Bremsscheiben Wärme nur langsam abgeben können, werden diese in der Regel im Kleinwagensegment verbaut. Bei schweren oder hochmotorisierten Fahrzeugen finden diese vor allem an der von der Bremsleistung her geringer belasteten Hinterachse Anwendung. Aufgrund der besseren Dosierbarkeit ersetzen sie dort teilweise die Trommelbremse.

Innenbelüftete Scheiben haben aufgrund Ihrer größeren Masse ein besseres Wärmespeichervermögen und kühlen durch die luftdurchströmten radialen Kanäle (Abb.2) schneller ab. Diese radialen Kanäle liegen zwischen den beiden Reibringen. Durch die Drehung der Bremsscheibe entsteht eine Ventilatorwirkung, die einen ständigen Luftzug durch die Bremsscheibe bewirkt.

Da durch die dynamische Achslastverteilung die größeren Bremskräfte an der Vorderachse anfallen, werden belüftete Bremsscheiben in der Regel an der Vorderachse verbaut. Somit wird unter Extrembedingungen eine hohe Bremsleistung gewährleistet. Je nach Fahrzeugtyp, Anwendung oder Motorisierung können innenbelüftete Bremsscheiben auch an Vorder- und Hinterachse verbaut sein. […]
Quelle: https://www.hella.com/techworld/de/ti/Bremsscheibe-9222/

Gelochte oder geschlitze Bremsscheiben

[…] Zusätzlich können massive und innenbelüftete Bremsscheiben mit Schlitzen oder Nuten versehen oder axial gelocht sein. Bremsabrieb, Wasser und Schmutz wird in den Schlitzen oder Nuten gesammelt und durch die Drehbewegung nach Außen abgeführt. Die axialen Bohrungen erhöhen die Wärmeabfuhr, haben aber keinen Selbstreinigungseffekt da sich Bremsabrieb in den Löchern ablagern kann.[…]
Quelle: https://www.hella.com/techworld/de/ti/Bremsscheibe-9222/

Hochgekohlte Bremsscheiben

Hochgekohlte Bremsscheiben bieten eine viel bessere thermische Leitfähigkeit. Deshalb halten die Bremsscheiben eine niedrigere Temperatur und somit ein konstantes Bremsverhalten

Eine hochgekohlte Bremsscheibe unterliegt geringerem Verzug

Erreicht wird das durch den hohen Kohlenstoffgehalt, die die thermische Kapazität der Bremsscheibe verbessert. Das führt zu einer guten Stabilität und einer hohen Verzugs- und Reißfestigkeit

Hochgekohlte Bremsscheiben haben ein geräusch- und stotterfreies Verhalten.

Durchsicht und Prüfung

[…] Aufgrund der hohen mechanischen und thermischen Belastungen und durch die zusätzliche Umweltbelastung sind Bremsscheiben einem natürlichen Verschleiß ausgesetzt. Der Zustand der Bremsanlage sollte deshalb regelmäßig und im Rahmen der vom Hersteller vorgegebenen Inspektion geprüft werden. Die Verschleißgrenze der Bremsscheibe wird seitens des Herstellers in Form einer Mindestdicke des Reibringes festgelegt. Dieser Wert in Millimeter wird auf dem Außenrand der Bremsscheibe angegeben bzw. eingestanzt. Dieser Wert ist so bemessen, das nach Erreichen dieser Dicke, bei normaler Fahrweise und unter Betrachtung der vorausgegangenen Wechselintervalle der Bremsbeläge, noch ein Satz Bremsbeläge verbaut werden könnte. Sollte hier seitens der Werkstatt keine Information vorliegen, ist es ratsam Bremsscheiben und Beläge zu ersetzen.

Zusätzliche Prüfungen sind der Rundlauf (Scheibenschlag) und die Dickendifferenz (unterschiedliche Scheibenstärke) der Bremsscheibe.

Die Prüfung des Rundlaufs von Bremsscheiben erfolgt im eingebauten Zustand. Dabei wird mit einer Messuhr, die ca. 10 – 15 mm unterhalb des äußeren Scheibenradius angesetzt wird, die Messung durchgeführt. Die Abweichungen sollten, gemessen über mehrere Radumdrehungen, bei neuen Fahrzeugen 0,070 mm und bei älteren Fahrzeugen aufgrund der größeren Toleranzen 0,10 mm nicht überschreiten. Diese Prüfung ist nur bei neuen Bremsscheiben aussagefähig. Bei Abweichungen sollte der Zustand von Radnabe und Lager als zusätzliche Fehlerquelle in Betracht gezogen werden.

Die Messung der Dickendifferenz des Reibrings einer Bremsscheibe kann exakt nur mit Spezialgeräten gemessen werden. Mit hinreichender Genauigkeit kann dieses jedoch mit einer Mikrometerschraube erfolgen, die eine Messgenauigkeit von ± 0,001 mm aufweist. Hierbei sollten an 12 bis 15 Stellen des Umfangs sowie ca. 10 – 15 mm unterhalb des äußeren Reibradius gemessen werden. Je nach Fahrzeugtyp können Dickendifferenzen von 0,012 mm bis 0,015 mm bereits zu Rubbelerscheinungen führen. Deshalb dürfen diese Werte bei neuen Scheiben nicht überschritten werden. […]
Quelle: https://www.hella.com/techworld/de/ti/Bremsscheibe-9222/